Mit Bike & Boots durch Patagonien Teil I
Familienpizzagroß sind die Schweißflecken in meinem so genannten Funktionsshirt. Mehrspurig zieht sich das Asphaltband der Panamerikana „al sur“ (nach Süden). Lkws, Busse, Autos und Mopeds hupen um die Wette und die Gestik der Fahrer macht mir unmissverständlich klar: Du bist hier fehl am Platz!Dabei wollte ich doch eigentlich die unberüherte wilde Schönheit Patagoniens mit dem MTB und Wanderschuhen erkunden.Da das mystische Stück Erde am südlichsten Zipfel Südamerikas liegt und der nächstgelegene, meinem kleinen Budget entsprechende Flughafen in Santiago de Chile ist, stehe ich nun einige tausend Kilometer nördlich auf besagtem Highway. Auf der Suche nach einer Alternative, zur offensichtlich lebensverkürzenden Variante, die komplette Strecke mit dem Rad zurückzulegen, fahre ich an einen Busterminal.
Kurzerhand lade ich mein bike und vierzig Kilogramm Gepäck in einen Bus und fahre 800 km nach Süden. Ausgeruht erreiche ich nach einer Nacht im Bus den Ort Pucon, der neue Ausgangspunkt meiner Tour. Bedingt durch die Kollision von ozeanischer Platte und südamerikanischer Kontinentalplatte befindet sich hier eines der Hauptvulkangebiete Südamerikas.
Der schneebedeckte Kegelvulkan Villarica schiebt sich in mein Blickfeld und trotz langem Suchen kann ich weder Schlitten, Ski oder Snowboard in den Fahrradpacktaschen finden. Gut, dass es hier optimale touristische Infrastruktur gibt, somit stehe ich mit einem gemieteten Schneebrett am nächsten Morgen auf dem Vulkan und freue mich auf die Abfahrt. Die nicht gerade jungfräulichen Sulzschneebedingungen können den schönen Sommeranfang nicht verderben! Gegen Abend erkunde ich in kurzen Hosen und T-Shirt die umliegenden Trails. Von dieser Kombination: Morgens im Schnee, Mittags auf dem Radl hört man immer wieder. Schlecht ist es wirklich nicht. Nach zehn Tagen fällt mir wieder die Sache mit Patagonien ein, belade mein Rad und mache mich auf um erst den Villarica Nationalpark und dann die Anden zu queren.
Laut Karte und Tipps von Ortskundigen sollte ich mein nächstes Etappenziel, St. Martin de los Andes in Argentinien, innerhalb drei Tagen erreichen können. Drei Zeltnächte später habe ich mein voll gepacktes Gefährt zwar über einen angeblich „jeeptauglichen“ Singletrail durch den Nationalpark gebracht, bedingt durch zahlreiche Schiebe- und Tragepassagen zeigt der Kilometerzähler aber nur 160 statt 350 km an. Abgeschlagen erreiche einen kleinen Ort in den Anden. Mir wird Cola und eine Zigarette offeriert, dankbar nehme ich an. Die Zigarette schmeckt eher nach einer Gewürzmischung und somit fällt mein Körper wohlig auf eine Couch und ich schlafe 14h lang.
Ausgeruht und mit neuem Proviant ziehe ich tags darauf weiter. Die anhaltende Hitzeperiode beschert tagsüber immer um die 35 Grad und macht mir enorm zu schaffen. Ich trinke täglich 10 Liter Wasser und fühle mich trotzdem dehydriert. Über Schotterstrassen und erreiche ich nach vier Tagen wieder bewohntes Gebiet und genieße die Annehmlichkeiten der Zivilisation. Vor mir liegt nun die so genannte „Seven lake route“, die Verbindungsstrecke nach Bariloche. Sie führt durch eine Region, die von zahllosen Flüssen, Seen und Bächen durchzogen wird. Auf einem hervorragenden Asphaltband kurble ich weiter nach Süden. Traumhafte Lagerplätze säumen die Ufer der Seen und Flüsse und es fällt schwer, sich für einen zu entscheiden. Einen dieser Plätze teile ich mir mit einer Kuhherde, nichts ungewöhnliches in Argentinien, denn irgendwo müssen die traumhaften Rinderhüftsteaks ja herkommen. Leider gesellt sich am späten Abend noch ein ausgewachsener und äußerst paarungswilliger Bulle zur Herde. Die Kühe sind allerdings nicht so recht in Stimmung und er rennt liebestoll umher.
Dass er dabei über eine Zeltabspannleine stolpert, verbessert seine Laune auch nicht gerade und ich kann mich gerade noch hinter einen dicken Baumstamm retten. Gut das er irgendwann müde wird und von dannen zieht. Das Frühstück fällt leider aus, da er beim ersten Tageslicht schon wieder sehr aktiv durch die Gegend läuft. Ich ziehe es vor, schleunigst das Feld zu räumen. Im nördlichen Patagonien angekommen, mache ich Station in Bariloche.
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Einige Bilder der Tour:
Text und Bilder: Martin Böhm











Hallo Martin,
faszinierender Bericht und klasse Bilder! Hut ab.
Mit was für einem Fahrrad warst Du denn unterwegs? Hat es sich bewährt?
Gruß
Andreas
Hallo Andreas,
bei solchen Touren bevorzuge ich Ausrüstung die kompromisslos auf stabilität und wartungsarmut ausgelegt ist.
Beim Rad: Stahlrahmen [Hersteller: VELOTRAUM] | mechanische V-Breaks [Shimano LX, die XT-Serie hat störanfällige Extras] | 26″ Laufräder mit 36 Speichen [Verstärkt DT-Swiss] | Alle Lager, sonstige Komponenten Shimano XT | Bereifung: Schwalbe Marathon Extrem | Träger: Tubus [front & rear] | A-head-Steuersatz [weniger anfällig, wie Konusklemmung | Tretlager: 4-Kant [Für die neueren außenliegenden Lagerschalen ist schlechter Ersatz zu beschaffen]
Fazit: hat alles gehalten -> dementsprechend empfehlenswert.
Grüße und viel Spaß bei der Planung
fairoutdoor [Martin]
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